Premiering Beat Furrer songs: Canti della Tenebra in Münich at Musica Viva with Klangforum Wien.

Date

Friday, February 7, 2014

Works:
Aureliano Cattaneo (b.1974)
Sabbia (2007-08)
for 11 instruments

Aureliano Cattaneo (b.1974)
Violin Concerto (2013)
Version for solo violin and ensemble
Composition commissioned by musica viva at Bavarian Broadcasting
and by Klangforum Vienna
WORLD PREMIÈRE

Beat Furrer (b.1954)
Canti della tenebra (2012/13)
for soprano and ensemble
to texts by Dino Campana
Composition commissioned by musica viva at Bavarian Broadcasting
and by Klangforum Vienna
WORLD PREMIÈRE
Featuring:
Tora Augestad, mezzo-soprano
Sophie Schafleitner, Violin
Klangforum Vienna
Conductor:
Beat Furrer

Beat Furrer – Canti della tenebra

Von „ruhelosen Geistern“ ist in Dino Campanas Gedicht „Il canto della tenebra“ („Der Gesang der Finsternis“) die Rede – von solchen Geistern, denen nur die Dunkelheit Gnade gewährt, wenn sich die Farben des Tages verloren haben. Unschwer finden sich Synonyme für die eigene Existenz: Dino Campana, 1885 geboren, wirkte im Umkreis des italienischen Futurismus. Er ist der Dichter der Unruhe, den es durch ganz Europa und bis nach Argentinien trieb. Sein Leben spannte sich auf zwischen dem Eingesperrtsein in Gefängnissen und Irrenhäusern von Jugend an einerseits und einer geistigen Freiheit andererseits, die er selbstbewusst in die Musikalität, Klarheit und Farbenfülle seiner Texte umschmolz. In seinen Canti della tenebra komponiert Beat Furrer fünf von Campanas hochpoetischen Texten aus jenem Buch, das den Dichter 1914 schlagartig bekannt machte. Seine „Canti orfici“ sind das Dokument einer Lebensreise, die nach vierzehn Jahren in der Irrenanstalt von Castel Pulci bei Florenz 1932 endete. Für Beat Furrer ist Campana der Archetypus eines Künstlerschicksals im frühen 20. Jahrhundert und eines Pathos des sich Verschwendens an die Welt, das sofort von der Gesellschaft durch verschiedenste Maßnahmen der Resozialisierung im Irrenhaus oder Gefängnis beantwortet wird. Dino Campana hat vielleicht als erster zum Ausdruck gebracht, dass es keine Flucht gibt, dass kein utopisches Amerika mehr existiert. Seine Reise ist nicht mehr eine Winterreise in ein fremdes zauberhaftes Land. Vielmehr liegt das Geheimnis in ganz alltäglichen Phänomenen, im Wind, den er beschreibt, im Wasser ...

Die Texte münden in die orphische Versenkung, die Campana in seinem vielleicht berühmtesten Gedicht „La Chimera“ beschreibt: in das Lächeln einer bleichen Schönheit, das „aus unbekannten Fernen“ aufscheint. Beat Furrers Liedkompositionen sind als Zyklus konzipiert, als die Erzählung einer Reise zu sich selbst. Sie nehmen ihren Ausgang in einem flüchtigen Nachtbild am Fluss in „Sul torrente notturno“ und beschreiben in „Viaggio a Montevideo“ eine reale Schiffsreise mit pendelnden Akkorden. Im Zentrum steht die nächtliche Landschaft des „Canto della tenebra“, gefolgt von dem schwebenden Geschwindigkeitsrausch der „Corsa infrenabile“, einer Zugreise durch die argentinische Pampa, die einem Akt der Befreiung gleichkommt. In „La Chimera“ schließlich besingt Campana dieses rätselhafte Außen, das Fremde, bei Beat Furrer in einer diatonischen absteigenden Melodie, die unendlich immer weiter zu sinken scheint. (Marie Luise Maintz)
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